Austernseitlinge im Garten

Es hat auch seine guten Seiten, wenn mal was nicht gleich erledigt wird.

In unserem Garten steht eine Bruchweide, auch Knackweide (Salix fragilis) genannt. Seit geraumer Zeit dient sie dem Hopfen als Klettergerüst und den Katzen als Kratzbaum. Letztere haben sie mit solchem Nachdruck bearbeitet, dass sie durch eindringende Pilze und andere zersetzende Organismen irgendwann dem Tode geweiht ist.  Eigentlich wollten wir noch im Herbst die Weide fällen.  Das ist nicht passiert, dafür können wir jetzt eine leckere Pilzmahlzeit genießen.

Austernpilze sind Winterpilze. Für Ihre Entwicklung brauchen sie einen Kältereiz. Die Fruchtkörper erscheinen i.d.R. zwischen Oktober und Februar, beginnen ab etwa 11 °C zu wachsen und erst ab minus 2,8 °C wird es ihnen dann doch zu kalt. Der Hut ist in Form und Farbe ziemlich variabel und unterscheidet sich deutlich von der im Handel befindlichen helleren Art, die ursprünglich aus Amerika/Florida kommt. Die weißlichen Lamellen an der Unterseite laufen deutlich am Stiel herab. Das Fleisch ist weiß, jung relativ weich und riecht gut. Der Austernpilz wächst in der Natur als Schwächeparasit fast ausschließlich auf Laubgehölzen wie Erle, Pappel oder auch Weide und hauptsächlich auf Rotbuchen.

Wenn andere Pilzesammler Korb und Messer bereits winterfest gemacht haben, gehen Kenner im Winterwald auf die Suche nach diesem leckeren Speisepilz. Noch zur Jahrhundertwende war er ein beliebter Pilz für die Weihnachtstafel. Gesammelt wurde er vor allem im Bayerischen Wald, wo viele Menschen einst an großer Armut litten.

Weil in der intensiven Forstwirtschaft kränkelnde Bäume bereits sehr früh geschlagen werden, ist der Austernseitling immer seltener anzutreffen.

Neben Kulturchampignon und Shiitake ist der Austernpilz eine der drei wichtigsten Kulturpilzarten.
Das Gute: es gibt keinen Giftpilz, mit dem man den Austernseitling so einfach verwechseln kann.

Also dann: Guten Appetit!

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