Mistel – Zauberkraut

Wer weiß, was sich hinter Albranken, Bocksfutter, Druidenfuß, oder Hexenbesen verbirgt? Ein Tier, eine Speise oder eine Pflanze?

Mit letzterem haben wir es zu tun und jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit ist sie in fast jedem Floristikgeschäft zu finden. Die Mistel – Viscum album, so die botanische Bezeichnung. Misteln sind außergewöhnliche Pflanzen, die erst in den Wintermonaten, wenn die Bäume kahl sind, richtig sichtbar werden. Als das Zauberkraut keltischer Druiden, ist die Mistel wohl jedem Fan von ein paar Galliern und ihrem Zaubertrank brauenden Druiden bekannt. Angeblich auf Eichen wurde die Mistel von letzteren mit goldenen Sicheln geschnitten und in Tüchern aufgefangen. Sie durften die Erde nicht berühren, damit sie nicht ihre magischen Kräfte verloren. Tatsächlich ist die Mistel eine sehr alte Heil- und Kultpflanze und erregt seit mehr als 2000 Jahren auch als Kunstmotiv das Interesse der Menschen.

Als auf Bäumen lebende Halbschmarotzer entnehmen Misteln mit ihren Wurzelsenkern Wasser und darin gelöste Nährstoffe aus den Leitungsbahnen „Ihres“ Baumes, was ein großer, gesunder Baum normalerweise verkraftet, solange es sich nur um einzelne Exemplare handelt. Die Mistelausbreitung ist eng mit dem Vorkommen bestimmter Vogelarten (auch Zugvögeln) verbunden, für die Früchte und Samen wichtiger Bestandteil ihrer Winternahrung sind.

Als Arzneipflanze hat die Mistel lange Tradition, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht. Ihr wird beruhigende, blutstillende, entzündungshemmende, harntreibende und krampflösende Wirkung zugeschrieben und sie gehört mittlerweile zu den am besten untersuchten Heilpflanzen mit einem reichhaltigen Spektrum an Inhaltsstoffen. Moderne Mistelpräparate finden u.a. Anwendung zur Blutdrucksenkung und als begleitende Therapie bei der Tumorbekämpfung.

Alle Teile der Pflanze enthalten in Abhängigkeit von der Wirtspflanze in ihrer Stärke unterschiedlich wirksame giftige Inhaltsstoffe!

Aus Mythologie, Brauchtum, Aberglaube

In allen europäischen Kulturkreisen, galt die Mistel als Symbol für Fruchtbarkeit und als Lebensspenderin. Bei den Keltischen Völkern war sie heilig und ein Symbol des Friedens.

Trafen sich zwei Feinde unter einem Mistelstrauch, mussten sie sich umarmen und zumindest für diesen Tag Waffenstillstand schließen. Ein alter englischer Brauch, hat heute noch und wieder zahlreiche Anhänger: Unter einem zur Weihnachtszeit über die Tür aufgehängtem Mistelzweig kann eine junge Maid einen Kuss eines Verehrers nicht ablehnen. Aber aufgepasst – jeder Kuss kostet eine weiße Beere, sind die Beeren (sie wurden deshalb auch Kusskugeln genannt) alle weg, ist es auch mit dem Busseln vorbei… – so manche Liebe soll sich da gefunden haben, nicht zuletzt weil die Mistelzweige immer wieder erneuert oder die Beeren wieder angeklebt wurden….

Weil sie hoch oben wie aus dem Nichts auf Bäumen wächst und ihre Früchte zur Wintersonnenwende trägt, erschien sie unseren Vorfahren geheimnisvoll, von den Göttern gepflanzt und wohl genau deshalb gestand man ihr auch besonders starke magische Kräfte zu.

Man glaubte, dass sie vor Feuer, Blitz und Hagel schützen könne. Und damit sie gleichzeitig Hexen und böse Geister am Eintritt hindere, hängte man sie an Hauswand und Tür, Stall und Kammern. Misteln hießen auch Wetterast, weil sich Hexen beim „Wettern“ (Gewitter, Blitz) an die Baumwipfel setzten und sich zwischen Holz und Rinde versteckten; genau dort glaubte man, wachse dann eine Mistel hervor. Als Gegenzauber legte man einen Mistelkranz um den Baum, was die Hexen „sperrte“ und so dem Wettern ein Ende bereitete.

Ebenso sollten Misteln wie vierblättrige Kleeblätter oder Hufeisen, Glück bringen, aber nur demjenigen, der sie zum Geschenk erhält. Die gegabelte Form der Zweige machte sie zum Vorbild der Wünschelrute.

Unkontrollierbare negative Kräfte sollte die Mistel in den Rauhnächten bannen. Eine Mistel am Jagdhut beschere reiche Beute, so glaubte mancher Jäger. Die Kuh, die als erste im Jahr kalbte, wurde von den Bauern mit Mistelzweigen geschmückt auch der Bitte für Kindersegen sollte die Mistel Kraft verleihen.

Im Christentum wurde die Mistel zu einem Symbol des Friedens. Das Kreuz Christi soll der Sage nach aus dem Holz der damals noch als Baum wachsenden Mistel hergestellt worden sein. Aus Scham darüber, das Kreuz Christi geworden zu sein, habe sich die Mistel von einem Baum zu einer viel kleineren Pflanze verwandelt und wollte so dafür sorgen, dass ihr Holz nicht mehr verwendet werden und sie nur noch Gutes bringen konnte.

Die Mistel ist in Deutschland geschützt und darf nicht gesammelt werden!

4 Kommentare zu „Mistel – Zauberkraut“

  • Renate sagt:

    Sehr interessanter Artikel!

    Viele Grüße – Renate

  • Hallo Ihr Alle!
    Auch ich habe neulich etwas sehr Interssantes über die Mistel gelesen, sowohl botanisch als auch mythologisch.
    Wisst Ihr, dass bei der Mistel Blattober- u. Unterseite gleich aussehen? Dass die Mistel in den ersten 3Jahren wächst, wie ein kleines Bäumchen, sich dann aber ihr Aussehen völlig verändert? Mit den ersten Blütenansätzen verwandelt die Pflanze dann ihre Form, und zwar genau innerhalb von 28 Tagen, also einem Mondzyklus. Durch langsame, nickende Bewegungen formen sich ihre Sprossen zu dem uns geläufigen Kugelbusch (entdeckt durch Zeitrafferaufnahmen von Rolf Dorka u. Thomas Goebl). Diese, ihre runde Form verändert sie ihr Leben lang nicht mehr. Sie scheint ihr eigenes Universum in sich zu tragen und völlig Sonnen- u. Jahreszeiten unabhängig zu wachsen!

    Nicht zuletzt diese Einzigartigkeit hat sicher auch dazu beigetragen, dass sich so mancher Mythos um die Mistel rangt. So z.B. der germanische, dass sie das einzige Wesen war, das nicht bereit war zu schwören, den Lichtgott Baldur nicht zu schädigen. So kam es ohne ihr Wissen dazu, dass der blinde Hödur vom zwielichtigen Loki dazu mißbraucht wurde, Baldur unabsichtlich mit einem Pfeil aus Mistelholz zu töten. Sommersonnwend 24.Juni, Baldur, der Lichtgott stirbt, das Sonnenlicht nimmt ab!
    (vgl. Artikel über die Mistel von Markus Sommer in Alverde + a tempo 12/2009)

  • Christel sagt:

    Sehr schöne Seite! Darf ich das Eine oder Andere für`s Herbarium mitnehmen?
    Brote backe ich auch, hab bis jetzt aber noch keine frischen Kräuter verwendet. Teste ich gleich morgen :-)
    LG Christel

  • Angela sagt:

    Hallo Christel! Sag mir, wo findest du jetzt schon Grünzeug? Bei uns ist jeglicher Ansatz wieder unter einer weißen Decke verschwunden. Naja, im Treibhaus ist die Vogelmiere schon wieder am Durchstarten…
    Für dein Herbarium – kein Problem!

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