Mythologie und Brauchtum im Mai – Walpurgisnacht

Schon lange begleiten Pflanzen als Schutz- und Heilmittel wie in der Symbolik die Menschen durch den Jahreskreis – in vorchristlicher Zeit schon im keltischen Brauchtum und noch heute an Heiligengedenktagen und verschiedenen anderen Festen des Kirchenjahres. So galt es z.B. am Karfreitag bestimmte Glückspflanzen (Eisenkraut) zu graben und auch für die Aussaat von Kulturpflanzen gab es bestimmte Tage. Frühlingsblumen schrieb man eine besondere Heilkraft zu. Sie zu sammeln, zu essen oder auch aufzubewahren und bei Bedarf z.B. einem Erkrankten gegen Fieber aufzulegen war gängiges Brauchtum. Andererseits sollte man von mancher Pflanze Abstand halten, um vor Schaden bewahrt zu bleiben. In Zusammenhang stand damit einst der Glaube, dass Pflanzen von einem Pflanzengeist bewohnt würden.

Dem Mai, mit dem der Sommer allmählich ins Land zieht, kam im Volksglauben in vielerlei Hinsicht eine besondere Bedeutung zu.

Benannt ist der Wonnemonat nach der griechischen Wachstumsgöttin Maja, deren Name in Verbindung mit Maria steht. Sie wird in der katholischen Kirche bis heute mit besonderen Maiandachten geehrt.

Ursprünge von vielen Ritualen und Festen vermutet man im keltischen Brauchtum. Dort wurde am 1. Mai der Beginn der Sommerzeit gefeiert, in der die Erde wieder zum Leben erwacht und Segen spendende Naturgeister und Götter durch Wald und Flur streifen. Da in Mittel- und Nordeuropa die Zeit des Sommers eher kurz ist, wurde sie mit Festen und Feiern nicht nur begrüßt sondern auch begleitet: mit Bräuchen zur Walpurgisnacht, der Sommersonnenwende und dem Sommerende zu Mariä Himmelfahrt.

Einst feierten die Menschen die Nacht zum ersten Mai mit Freudenfeuern, tanzten um sie herum und sprangen durch die Flammen. Zahlreiche Sagen ranken sich darum. So hieß es, dass in dieser Nacht Zaubermächte losgebunden  seien, die nicht nur dem Bärlauch seine Kraft raubten, sondern auch Menschen sich in Tiere verwandeln ließen, Pflanzen am Wachsen hinderten oder gegen Mitternacht gar Wasser von Bächen und Brunnen in Wein verwandelten. Schöpfen könne den aber nur, wer den Farnsamen habe… In der Walpurgisnacht trafen sich im Volksglauben auch die Hexen zu ihrem großen Fest auf dem Blocksberg. Als wichtiger Kultplatz um diese Handlung wird immer wieder der Brocken im Harz genannt und wilde Geschichten von Hexen, die mittels einer Flugsalbe auf dem Besen reiten konnten wurden in der Gegend erzählt. Natürlich gab es auch Pflanzen, die – in der Walpurgisnacht gesammelt – besondere Fähigkeiten verliehen: Der Gundermann sollte ermöglichen, dass man Hexen als solche erkennen könne oder die Wegwarte verlieh gar Unsichtbarkeit.

Mit Beginn der Christianisierung wurden diese Feste verboten und wer es dennoch wagte, sie in der alten Form zu feiern, musste mit dem Schlimmsten rechnen: schnell konnte ein Gerücht vom Bund mit dem Teufel in Umlauf sein… Der Ursprung des Hexenglaubens kam letztlich erst durch die Verbreitung des Christentums auf. Der Bevölkerung wollte man Glauben machen, dass Frauen mit (nach damaliger Auffassung) „unerklärbaren medizinischen Kenntnissen“ unweigerlich mit dem Teufel im Bunde stehen mussten. Im Zuge der Inquisition wurden die Hexen-Geschichten immer schauerlicher und wert-volles Wissen um altbewährte Pflanzenheilkunde endete mit der Trägerin meistens auf dem Scheiterhaufen.

“In der ersten Nacht des Maien
Läßt’s den Hexen keine Ruh;
Sich gesellig zu erfreuen,
Eilen sie dem Brocken zu.
Dorten haben sie ihr Kränzchen.
Man verleumdet, man verführt,
Macht ein lasterhaftes Tänzchen,
und der Teufel präsidiert.”- Wilhelm Busch -

Das einstige Freudenmaifest wurde umgedeutet und man tanzte fortan zur Abwehr von Hexen und bösen Geistern um die Feuer herum und ließ sich allerlei andere Aktionen zum verscheuchen von Geisterwesen einfallen.

Am Ende übriggeblieben ist eine „Freinacht“, in der es als Schabernack gilt, das Eigentum Anderer zu entwenden oder zu beschädigen um diese zu ärgern. Das hat mit der ursprünglichen Bedeutung dieser Nacht nun wirklich nichts mehr gemein und ist auch aus strafrechtlicher Sicht nicht unproblematisch. Da gefällt es besser, dass es in manchen Gegenden üblich ist, dass Verliebte gemeinsam über das heruntergebrannte Maifeuer springen oder wenn Linien mit Kreide oder Häcksel zwischen die Häuser von heimlich Verliebten gezogen werden, um deren Techtelmechtel öffentlich zu machen.  

Übrigens: Ihren Namen bekam die Walpurgisnacht von der Benediktineräbtissin Walburga – auch Walpurga oder Walpurgis – (gest. 779) aus England, deren Gedenktag am 1. Mai gefeiert wurde. Einst Schutzpatronin der Bäuerinnen und Mägde wurde Sie so auch zur Beschützerin gegen Hexen und Böse Mächte.

Goethes “verhextes” Zahlenrätsel aus FAUST

Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
und Zwei lass gehn
und Drei mach gleich -
so bist du reich!
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs -
so sagt die Hex -
mach Sieben und Acht:
Dann ist’s vollbracht.
Und Neun ist Eins
und Zehn ist keins.
Das ist das Hexen-Einmaleins!

Viel Spaß beim Raten!

(Lösung in der Rubrik Kräuterkurse – Rätsel)

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