Zauberhafte Wesen

Sonnenuntergang im Bruchwald:  

Bei einem Erkundungsgang für eine Kräuterwanderung stieß ich auf sie. Im Gegenlicht wirkten ihre grünen Kleider wie mit Silberfäden durchsponnen…

Gar seltsame und auch gruselige Geschichten gibts vom Erlengrund, von der rauen Else, die den Ritter Wolfdietrich erst verzauberte und dann in ihr Reich entführte, dem Erlkönig und seiner Tochter, von Irrlichtern und Moorgeistern – wehe dem, der sich an solchem Ort in der Dunkelheit verirrt..

DER ERLKÖNIG

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
 
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -
Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. -
 
“Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.”
 
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. -
 
“Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.”
 
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? -
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. -
 
“Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.”
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! -
 
Dem Vater grauset’s, er reitet geschwind,
Er hält in den Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
 

 

Johann Wolfgang von Goethe

Dabei handelt es sich eigentlich um den Ellen- oder Elbenkönig, der aus einer nordischen Sage entstammt. Angeblich wurde bei der Übersetzung “Eller” als Erle übersetzt, woraus dann der Begriff Erlkönig entstand. Die Erle passt aber trotzdem zu ihm, weil sie an feuchten und damit auch oft nebligen Orten wächst, die im Volkglauben Aufenthaltsort von Naturgeistern waren.

Kein Wunder, dass es in früheren Zeiten hieß:

Rotes Holz (damit ist die Erle gemeint) und feurig (rotes) Haar sind aus gutem Grunde rar…

1 Kommentar zu „Zauberhafte Wesen“

  • Bei den neun Zwergen hinter den sieben Erlen – ich fühle mich sehr an grüne Hutzelmännchen erinnert. Was die wohl den ganzen Tag über treiben? Ganz still und stumm stehen. Und nachts? Im Mondlicht tanzen.
    So ein zauberhaftes Foto!
    Märchenhafte Grüße
    Karin Greiner

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